Erstens: Von der Übernahme des Konzepts zur Entwicklung eines eigenen Modells
Die Entwicklung des Qualitätsmanagements in der arabischen Welt war keine bloße Übernahme westlicher Modelle. Vielmehr handelte es sich um einen schrittweisen Prozess wachsenden Managementbewusstseins, der von der Übernahme über die Befähigung bis hin zur zivilisatorischen Positionierung führte.
In der Anfangsphase wurde Qualität in vielen arabischen Institutionen vorwiegend auf formaler Ebene umgesetzt, beispielsweise durch Zertifikate, Formulare, Befragungen und ISO-Normen.
Mit der Weiterentwicklung des Managementdenkens begann jedoch ein Wandel von der Anwendung von Standards hin zum Aufbau einer Qualitätskultur sowie von der externen Akkreditierung hin zur nachhaltigen internen Selbstverbesserung.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten, insbesondere im Zusammenhang mit der Saudi Vision 2030 und den Entwicklungsprojekten der Golfstaaten, wurde Qualität zu einem strategischen Bestandteil von Governance und institutioneller Leistungsfähigkeit.
Zweitens: Die saudische Erfahrung – von der Leistungssteuerung zur Gestaltung von Exzellenz
Das Königreich Saudi-Arabien gilt heute als ein führendes arabisches Modell bei der Einführung von Qualitätssystemen und institutioneller Exzellenz – nicht lediglich als administrative Instrumente, sondern als Bestandteil einer umfassenden nationalen Vision.
Der strategische Rahmen
Die Saudi Vision 2030 beruht auf drei zentralen Säulen:
Eine lebendige Gesellschaft
Eine florierende Wirtschaft
Eine ambitionierte Nation
Zur Verwirklichung dieser Ziele war es erforderlich, Qualität und kontinuierliche Verbesserung als Methode zur Steuerung staatlicher Leistung und zur Entwicklung des privaten Sektors zu verankern.
Zu diesem Zweck errichtete das Königreich die Behörde für Ausgaben- und Projekteffizienz, das Nationale Zentrum für Leistungsmessung – Adaa sowie verschiedene Initiativen zur staatlichen Exzellenz.
Diese Initiativen orientierten sich an Modellen wie EFQM und Baldrige, entwickelten jedoch zugleich lokale Kriterien, die auf den nationalen Kontext abgestimmt sind.
Qualität staatlicher Dienstleistungen
Im öffentlichen Sektor wurden Programme zur Messung der Zufriedenheit der Leistungsempfänger sowie Qualitätsindikatoren für digitale Dienstleistungen eingeführt.
Diese Maßnahmen waren Teil der umfassenden digitalen Transformation, die Saudi-Arabien in führende Positionen bei internationalen Indikatoren für digitale Verwaltung brachte.
Darüber hinaus wurden Methoden wie Risikomanagement, Qualitätsautomatisierung und institutionelle Selbstbewertung eingeführt.
Bildung und Ausbildung
Die Kommission für Bildungs- und Ausbildungsbewertung entwickelte über das Nationale Zentrum für akademische Bewertung und Akkreditierung – NCAAA einen umfassenden Rahmen für akademische und institutionelle Qualität.
Dadurch konnten saudische Hochschulen höhere Stufen akademischer Reife und kontinuierlicher Verbesserung erreichen.
Gesundheitswesen
Das Gesundheitsministerium führte das System des Saudi Central Board for Accreditation of Healthcare Institutions – CBAHI ein, um die Qualität der Gesundheitsdienstleistungen sicherzustellen.
In zahlreichen Krankenhäusern wurden zudem Six Sigma und Lean Healthcare eingesetzt, um kritische Prozesse zu optimieren und die Dienstleistungsqualität zu steigern.
Ergebnisse
Dieses integrierte System ermöglichte Saudi-Arabien den Übergang von einem Verständnis der Qualität als administrativer Anforderung hin zu ihrer Verankerung als nationale Entwicklungspolitik, die mit Nachhaltigkeit, Effizienz und Innovation verbunden ist.
Drittens: Die Erfahrung der Vereinigten Arabischen Emirate – ein Modell nachhaltiger staatlicher Exzellenz
Die Vereinigten Arabischen Emirate zählen zu den Vorreitern bei der Umwandlung von Qualität in ein integriertes Führungs- und Managementsystem, insbesondere durch das Sheikh Mohammed bin Rashid Government Excellence Program.
Die Philosophie des emiratischen Modells
Die VAE beschränkten sich nicht auf die Übernahme eines importierten Modells, sondern entwickelten einen eigenen nationalen Rahmen für administrative Exzellenz, bekannt als:
Globales Sternebewertungssystem für staatliche Dienstleistungen
Dieses System verknüpft die Dienstleistungsqualität mit der Zufriedenheit und dem Glück der Kunden.
Qualität bedeutet in der emiratischen Erfahrung daher nicht nur operative Effizienz, sondern auch einen menschenzentrierten Wert, der mit Zufriedenheit, Wohlbefinden und Nutzererfahrung verbunden ist.
Umsetzungsmechanismen
Anwendung des vom EFQM abgeleiteten Modells für staatliche Exzellenz der VAE
Einrichtung integrierter Dienstleistungszentren auf Grundlage des Customer Happiness Index
Einführung von Smart Government und digitaler Governance
Förderung staatlicher Innovation als wesentlicher Bestandteil der Leistungsqualität
Institutionelle Wirkung
Qualität wurde zu einem Teil der nationalen Identität der VAE und ihrer internationalen Reputation.
Durch die Verbindung von Technologie und Führungswerten etablierte sich das Land als Vorbild für administrative Exzellenz und nachhaltige Verbesserung.
Viertens: Die Erfahrung Katars – Qualität beim Aufbau von Humankapital
Katar nutzt Qualität als Instrument zur Verwirklichung der Ziele der Qatar National Vision 2030, deren Schwerpunkt auf menschlicher und wissensbasierter Entwicklung liegt.
Dies zeigt sich in Programmen wie:
Qatar National School Accreditation – QNSA zur Bewertung des allgemeinen Bildungswesens
Quality Assurance Authority – QAA zur Sicherung akademischer Standards im Hochschulbereich
Auszeichnungen für Exzellenz in staatlicher Leistung und institutionelle Exzellenz
Die katarische Erfahrung zeichnet sich dadurch aus, dass Qualität auf die Entwicklung des Menschen ausgerichtet wird und nicht ausschließlich auf die Messung institutioneller Leistung.
Dadurch wurde Katar zu einem der ersten arabischen Staaten, die das Konzept des wissensbasierten Humankapitals übernahmen.
Fünftens: Die Erfahrung Bahrains – Exzellenz durch Governance und transparente Qualität
Das Königreich Bahrain entwickelte ein besonderes Managementmodell, das Qualität mit institutioneller Transparenz verbindet.
Zu den wichtigsten Initiativen gehören:
Der King Hamad Award for Excellence in Government Performance
Die Education and Training Quality Authority – BQA, die eine Kultur institutioneller Akkreditierung im Bildungsbereich etablierte
Die E-Government-Strategie, durch die die Effizienz öffentlicher Dienstleistungen verbessert wurde
Bahrain gilt als führendes Modell für die Verankerung institutioneller Governance in Qualitätssystemen, wobei Transparenz und Rechenschaftspflicht als wesentliche Bestandteile administrativer Exzellenz verstanden werden.
Sechstens: Die Erfahrung Omans – Qualität als organisatorischer Wert, der Bildung und Entwicklung verbindet
Das Sultanat Oman führte über die Oman Authority for Academic Accreditation and Quality Assurance of Education – OAAAQA ein schrittweises nationales Qualitätsmodell ein.
Diese Behörde ist für die Bewertung von Universitäten und Ausbildungszentren verantwortlich.
Darüber hinaus startete die Regierung die Oman Vision 2040, die Qualität, Innovation und Nachhaltigkeit miteinander verknüpft.
Die besondere Stärke der omanischen Erfahrung liegt in ihrem sorgfältig geplanten, schrittweisen Ansatz, der institutionelles Qualitätsbewusstsein systematisch aufbaut und zur Qualitätsreife führt.
Siebtens: Die Erfahrung Kuwaits – Qualität im öffentlichen Dienst und in der Verwaltungsentwicklung
Kuwait begann in den vergangenen Jahren damit, Qualität im staatlichen Sektor durch den Kuwait Government Excellence Award zu institutionalisieren.
Zudem wurden ISO-Normen in verschiedenen Ministerien eingeführt, insbesondere in den Bereichen Bildung, Gesundheit und öffentliche Dienstleistungen.
Das Kuwait Institute for Scientific Research – KISR führte ebenfalls einen Rahmen für Forschungsqualität ein, der auf der Governance wissenschaftlicher Projekte und ihrer Verknüpfung mit nationalen Entwicklungszielen beruht.
Achtens: Arabische Erfahrungen außerhalb der Golfregion
Die jordanische Erfahrung
Der King Abdullah II Award for Excellence in Government Performance and Transparency zählt zu den wichtigsten arabischen Initiativen zum Aufbau einer Qualitätskultur in der öffentlichen Verwaltung.
Jordanische Ministerien und Institutionen haben das EFQM-Modell erfolgreich angewendet, was zur Entwicklung institutioneller Reife und administrativer Governance beitrug.
Die ägyptische Erfahrung
Ägypten erzielte bedeutende Fortschritte bei der Einführung von Qualität in Bildung, Gesundheit und Industrie durch die Gründung der National Authority for Quality Assurance and Accreditation of Education – NAQAAE.
Darüber hinaus wurden im Rahmen der Egypt Vision 2030 Programme zur institutionellen Transformation in Ministerien umgesetzt.
Die ägyptische Erfahrung konzentrierte sich vor allem auf die Verbesserung staatlicher Prozesse und die Digitalisierung der Verwaltung.
Die Erfahrungen Marokkos und Tunesiens
Marokko und Tunesien legen im Rahmen ihrer Abkommen mit der Europäischen Union einen Schwerpunkt auf industrielle und ökologische Qualität und entwickeln zugleich nationale Systeme zur Qualitätssicherung im Hochschulwesen.
Zu den lokalen Initiativen zählen:
Der Marokkanische Qualitätspreis
Das Tunesische Exzellenzprogramm
Neuntens: Vergleichende Analyse der Erfahrungen der Golfstaaten und der arabischen Welt
Methodischer Ansatz
Die Golfstaaten verfolgen grundsätzlich einen integrierten Ansatz, der Führung und nationale Vision miteinander verbindet.
Andere arabische Staaten konzentrieren sich stärker auf sektorbezogene Verbesserungsprogramme.
Eingesetzte Instrumente
Die Golfstaaten nutzten Exzellenzmodelle wie EFQM und Baldrige und passten diese an die lokalen Rahmenbedingungen an.
Demgegenüber blieben einige andere arabische Erfahrungen stärker mit der technischen Anwendung von ISO-Normen verbunden.
Ergebnisse
Den Golfstaaten gelang es weitgehend, Qualität in ein nationales strategisches Konzept zu überführen.
In vielen anderen arabischen Ländern blieb Qualität hingegen ein partielles Instrument der Verwaltungsentwicklung.
Zehntens: Zukunftsperspektiven für Qualität in der arabischen Welt
Aktuelle Entwicklungen deuten darauf hin, dass die nächste Phase von einem Übergang vom Qualitätsmanagement zur Qualitätsführung geprägt sein wird. Dieser Wandel wird sich auf drei Hauptbereiche konzentrieren:
Digitalisierung und intelligente Analyse: Einführung von Systemen zur Leistungsmessung in Echtzeit.
Arabische Integration der Standards: Entwicklung eines einheitlichen arabischen Qualitätsmodells.
Wertebasierte Qualität: Einbindung ethischer Dimensionen in arabische Governance-Systeme.
Abschließende Reflexion – auf dem Weg zu einem „arabischen Modell institutioneller Itqan-Exzellenz“
Die Erfahrungen der Golfstaaten und der arabischen Welt zeigen, dass Qualität kein ausschließlich importiertes Konzept ist, sondern tief in der arabischen Kultur und ihren Werten verwurzelt werden kann.
Die arabische Welt verfügt über zivilisatorische und ethische Grundlagen, die sie dazu befähigen, ein eigenes Modell zu entwickeln, das auf folgenden Prinzipien beruht:
Itqan als spiritueller Wert
Innovation als Mittel
Nachhaltigkeit als Ziel
Auf dieser Grundlage kann ein Modell entstehen, das als
Arabisches Modell institutioneller Itqan-Exzellenz
bezeichnet werden kann.
Dieses Modell verbindet islamisches Denken, nationale Visionen und moderne Managementsysteme, um eine Form von Qualität hervorzubringen, die aus der eigenen Kultur und nicht aus bloßer Nachahmung entsteht.
(Note)
Dieser Artikel darf erneut veröffentlicht oder für Bildungs-, Ausbildungs- oder Forschungszwecke verwendet werden, sofern seine ursprüngliche Quelle ordnungsgemäß angegeben und seine wissenschaftliche sowie analytische Methodik bewahrt wird.
Erstellt von:
Dr. Najwa bint Abdulrahim Shaheen
Trainerin, Gutachterin, Beraterin und Vorsitzende des Verwaltungsrats der
Al-Itqan International Training and Consulting Company
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